Kodama


Der Glaube an Naturgeister ist schon seit Jahrtausenden auf der gesamten Welt verbreitet. Wesen, die in den Wäldern leben und diese Bewachen, kleine Gefährten, die einem verirrten Wanderer den richtigen Weg zeigen und Geister, die in den Flüssen und Bächen wohnen.
Gerade in Japan gibt es viele unterschiedliche Formen von solchen Kreaturen und eine davon heißt Kodama.

Doch was genau ist ein Kodama?
Die Definition für dieses Wesen änderte sich über die Jahrtausende. In dem ältesten Buch Japans, dem Kojiki, wird von dem Baumgott Wakunochi no Kami  geschrieben. Er ist der zweitgeborene Sohn der beiden Schöpfergottheiten Izanagi  und Izanami.
Die erste Erwähnung des Wortes „Kodama“ stammt aus einem alten japanischen Wörterbuch, das in der Heian-Zeit (794–1185) verfasst wurde. Die dort vorhandene Schreibweise: 古多万 wird mit „Geister in den Bäumen“ übersetzt. In einem weiteren in der Heian-Zeit geschriebenen Buch, dem Genji Monogatari, werden die Kodama als kleine in Bäumen lebende Kobolde bezeichnet. Nach so vielen Umformulierungen und Geschichten verlor der Kodama schließlich in der Edo-Periode (1603 bis 1868) seine Bedeutung als Gott und wurde den Yōkai  zugeordnet.

Heutzutage ist ein Kodama ein Baumgeist, welcher den Wald behütet und die Flora seiner Umgebung aufrechterhält. Ihre Wohnungen sind alte, unter anderem auch seltsam geformte Bäume, die sie beschützen und pflegen. Zieht ein Kodama in einen Baum ein, verweilt er meist sein gesamtes Leben dort und wird somit ein Teil von ihm.

 

Man sagt auch der Kodama sei die Seele des Baumes. Auch wenn zwischen Baum und Bewohner eine enge Verbindung besteht, ist es dem Waldgeist möglich sein Zuhause zu wechseln und durch den Wald zu ziehen.

Kodama nach Toriyama Sekien / Quelle: commons.wikimedia.org
Kodama nach Toriyama Sekien / Quelle: commons.wikimedia.org

Über das Aussehen dieser Geschöpfe ist wenig bekannt, da sie sich nur sehr selten den Menschen zeigen. So kam es über die Jahrhunderte zu vielen Theorien. Einige beschrieben sie als helle Lichtkugeln, die durch den Wald schweben, andere wiederum als kleine weiße bis durchsichtige, menschenähnliche Wesen und wieder andere behaupteten sie seien die Bäume selbst oder nehmen dessen Gestalt an. Der Autor Toriyama Sekien  beschreibt sie in seinem Buch gazu hyakki yagyō, als alte Männer und Frauen, die neben Bäumen stehen.
So selten sie sich auch zeigen, könnte es dennoch möglich sein, dass man schon einmal so einem Yōkai über den Weg gelaufen ist. Die Kodama zählen nämlich zu den Hengeyōkai (Gestaltenwandler). Sie sind den Menschen nicht feindselig, wenn diese sie nicht gerade provozieren. So soll es laut Legenden sogar schon vorgekommen sein, dass sich ein Kodama in einen Menschen verliebt hat und die Gestalt eines solchen angenommen hat nur um den oder die Geliebte dann heiraten zu können.

Kodama, klein, weiß, Waldgeist, Bild
Kodama von YourImaginaryF / Quelle: yourimaginaryf.deviantart.com

Selbst, wenn man diese Yōkai nicht immer sieht, kann man sie dennoch ganz sicher hören.

Ruft man in den Wald hinein und sein Echo kommt erst verzögert zurück, könnte das ein Waldgeist gewesen sein, der sich einen Scherz erlaubt hat. Aber auch wenn ein Baum gefällt wird, soll das Geräusch, das dabei entsteht, der Schrei eines Kodamas sein.

Die Kodama sind sehr mächtige Waldgeister, die den Menschen helfen, aber auch großen Schaden anrichten können. Erweist man den Kodama Respekt werden sie die Häuser und Dörfer ihrer Umgebung beschützen. Sollten sie aber schlecht und respektlos behandelt werden, können sie schweres Unheil über die Personen bringen, die ehrlos zu ihnen waren.

Shimenawa, japanischer Baum, Baum, Tau
"Shimenawa" / Quelle: www.flickr.com

 

Die Bäume der Kodama gelten als heilig, um sie wird ein dicker Tau, der sogenannte Shimenawa gebunden. Verletzt oder fällt man einen so heiligen Baum, soll dieser bluten können. Über die Verursacher wird ein mächtiger Fluch gelegt, der sie und ihre Familien heimsuchen wird.
Endet das Leben eines von Kodama bewohnten Baumes, so endet auch das Leben des Kodama.

 

Quelle der Informationen: https://www.univie.ac.at/rel_jap/kami/Kodama

                                                      https://www.youtube.com/watch?v=2UixYQrkCFk