Tanuki


Quelle: http://yokai.wikia.com/wiki/Tanuki
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Tanuki, so wie auch Enok sind die japanischen Bezeichnungen für „Marderhund“. Diese Tiere, welche insbesondere in Sibirien, nördlichen Teilen Chinas, Korea und Japan beheimatet sind, haben in Ostasien neben ihrem knuffigen Aussehen auch den Ruf als übernatürliches Wesen.
Tanuki sind Tiere, die sich, nachdem sie ein gewisses Alter erreicht haben, in einen Yōkai verwandeln und so auch bestimmte Kräfte erlangen. Dazu zählen Dinge, wie Blätter in Geld zu verwandeln, oder aber den großen Bauch, als Trommel nutzen zu können.
Wie auch viele andere tierische Yōkai, zählen die Tanuki zu den Hengeyōkai, den Gastaltenwandlern. Sie können, je nach Belieben, jede erdenkliche Form annehmen, vorausgesetzt sie legen sich ein Blatt auf den Kopf, dies ist allerdings nur in einigen Überlieferungen vonnöten.

Besonders beliebt ist die menschliche Form, welche es ihnen ermöglicht sich unter das alltäglich Getümmel der Städte und Dörfer zu mischen. Leider bringt das Dasein als Mensch auch Nachteile mit sich. So gewöhnen sich die Marderhunde schnell unsere schlechten Angewohnheiten an, wie etwa zu stehlen, sich zu betrinken oder zu betrügen.
Auch wenn die Tanuki Meister ihrer Kunst sind, lassen sie sich schnell mal aus der Fassung bringen. Kommt nämlich ein Hund des Weges erschrecken sie sich so sehr, dass ihre Illusion schwindet und sie ihr gewohntes tierisches Erscheinungsbild annehmen.

Quelle: https://www.tofugu.com/japan/tanuki/
Quelle: https://www.tofugu.com/japan/tanuki/

Eine weitere und zugegeben äußerst skurrile Eigenschaft der Marderhunde ist, dass die Männchen ihrer Spezies über die Fähigkeit verfügen ihre Hoden mit in ihre Maskerade einzubeziehen. Diese fungieren gegebenenfalls als nützliche Alltagsgegenstände, sie können den Yōkai aber auch als Gleiter von Nutzen sein, mit denen die Marderhunde in der Lage sind gewisse Strecken entlang zu schweben, außerdem können sie zur Verteidigung eingesetzt werden.

Die besonders großen Hoden werden in Japan häufig mit Reichtum assoziiert, dies begründet auch ihren japanischen Namen: Kintama (dt. Goldsäcke). Tanuki gelten in Japan allgemein, als Glücksbringer, welche den Menschen Erfolg und Wohlstand bringen sollen, wobei es doch meist von der Laune des Tieres abhängt, ob jenes Glück oder Pech spendet. Aufgrund des Rufes als Glücksbringer, werden in Japan des Öfteren Statuen der Tanuki, vor den Eingängen von Gaststätten, Kneipen und Schreinen aufgestellt. Seit dem 20. Jahrhundert werden diese Yōkai meist mit einem Strohhut, einem kleinen Beutel mit Gold und einer Sake Flasche, auf der das Kanji für „8“* abgebildet ist, dargestellt.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shigaraki_tanuki.jpg
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shigaraki_tanuki.jpg

Für das niedliche Design, der Tanuki Figuren dürfte der Töpfermeister Fujiwara Tetsuzō (1877–1967) verantwortlich sein. Er entwickelte dieses in seiner Werkstatt in Shigaraki, dem heutigen Kōka-shi, eine Stadt, welche unweit von Kyoto liegt. Der Großteil der Tanuki-Figuren wird noch heute dort hergestellt.

Quelle: https://hyakumonogatari.com/category/tanuki-stories/
Quelle: https://hyakumonogatari.com/category/tanuki-stories/

Doch nicht immer hatten die Menschen ein positives Bild von diesen Yōkai, dieses entwickelte sich nämlich erst recht spät.
In der Frühzeit wurden sie zunächst als Götter und Herrscher über die Natur angesehen, die den Menschen nicht immer wohlgesonnen waren. Die chinesischen Legenden, in denen die Tanuki überwiegend als bösartig beschrieben wurden, hielten also auch in Japan Einzug. Es hieß, dass einige bösartige Tanuki die Menschen verzaubern und in einigen Fällen sogar töten und verspeisen würden. Nach der Einführung des Buddhismus‘ in Japan, im 6. Jahrhundert verloren die Marderhunde ihre Position als Götter und dienten der Natur nun als Schutzgeister, dies machte sie den Menschen gegenüber nur leider nicht freundlicher.
In einer alten japanischen Anthologie aus der Heian-Zeit (794 – 1185), genannt Konjaku Monogatarishū (kurz Konjaku Monogatari) werden die Tanuki ebenfalls, hauptsächlich als böse beschrieben.
In der damaligen Zeit galt es schon fast als Heldentat einen Tanuki zu erlegen, da dieser aufgrund seiner übernatürlichen Fähigkeiten keine leichte Beute war.

Quelle: commons.wikimedia.org  (I don't own any rights of this picture)
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Es gibt verschiedene Märchen über die Marderhunde, in welchen sie entweder die Rolle des Gutherzigen oder des Bösen einnehmen.
Das Märchen Bunbuku Chagama, welches wohl aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammt, erzählt von einem armen Mann, der eines Tages einen Tanuki aus einer Falle befreit und ihm somit das Leben rettet. Als Dank für diese gute Tat verwandelt sich der Yōkai in einen Teekessel, welchen der Herr teuer an einen Priester des Morinji Tempels (Stadt: Tatebayashi, Präfektur Gunma) verkaufen kann. Als der Geistliche nun aber heißes Wasser aufsetzen will, verbrennt sich der Tanuki und dem Teekessel wachsen die vier Pfoten, der Schwanz und der Kopf des Yōkai. Er bleibt in seiner halbfertigen Form und macht sich auf zu dem Haus seines Retters. Die beiden haben eine neue Idee: Sie lassen einen lebendigen Teekessel über ein Hochseil balancieren! Der Marderhund-Teekessel wurde bekannt und der arme Mann verdiente gut an dieser außergewöhnlichen Attraktion.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/
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Eine ältere Geschichte rückt die Tanuki wiederum in ein schlechtes Licht. Die Geschichte „Kachi-kachi Yama “, handelt von einem gerissenen Tanuki, der einem alten Bauernpaar in vielerlei Hinsicht zur Last fällt. Der Mann schafft es eines Tages das Tier zu fangen und festzuhalten. Er nimmt sich vor es später zu kochen und es sich gemeinsam mit seiner Frau zu Gemüte führen zu lassen. Während die Frau in der Küche alles vorbereitet, bekommt sie Mitleid mit dem Marderhund und lässt ihn frei, dieser jedoch attackiert die Bauersfrau, tötet sie und frisst sie auf. Ein Hase will das Vergehen rächen.

Er zündet beispielsweise das Bündel Holz an, was der Tanuki mit sich trägt, wobei sich dieser arg verbrennt. Die Geschichte endet damit, dass der Hase es schafft den Tanuki in einem Boot aus Matsch auf das Wasser zu lotsen, sodass dieser schlussendlich ertrinkt.

Heute ist bekannt, dass die Tanuki einen freundlichen und scherzhaften Charakter haben. Im Allgemeinen werden sie als harmlos, gerissen und intelligent betrachtet. Solltest du einen solchen Yōkai allerdings betrügen oder provozieren, so kann sich dieser, ganz wie in den alten Legenden, in eine wahre Bestie verwandeln und dich attackieren oder schlimmeres Unheil über dich bringen.
Tanuki lieben es zu scherzen und Menschen auszutricksen und anstatt böswillig zu sein, spielen sie viel lieber Streiche oder veranstalten kleine Feste, wo sie nach Herzenslust singen und tanzen können.

Quelle: www.univie.ac.at / Bild © 663highland, Wikimedia Commons 2006.
Quelle: www.univie.ac.at / Bild © 663highland, Wikimedia Commons 2006.

Die Marderhunde leben nicht nur in den Bergen und Wäldern Hokkaidōs, Honshū, Shikoku & Kyūshū, sondern sind, seitdem sie von Pelztierzüchtern aus der Ukraine in Osteuropa angesiedelt wurden, auch in Deutschland aufzufinden. Sollte dir also mal ein Tanuki über den Weg laufen oder dich gar austricksen, kannst du höchstwahrscheinlich sein Lachen in der Ferne hören.